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Heimat- und Ortsverein Bad Köstritz e.V.
Archiv - Bronte

Zur Geschichte der „Bronte“ 

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Hier nun die wesentlichen historischen Daten dazu: Getränke aus Mate-Tee gab es bereits um 1906. Eine Berliner Firma produzierte bis etwa 1913 unter dem Namen „Yermeth“ ein Erfrischungsgetränk, dass als Vorläufer der heutigen Club-Mate-Brausen zu betrachten ist. In einem lexikalischen Werk von 1906 wurde das Getränk „Yermeth“ als sehr „belebend“ beschrieben und der Apotheker Hugo Obst aus Bayreuth wird als Produzent genannt. Bereits 1903 hatte Obst in der „Pharmaceutischen Centralhalle“ sein neues Getränk „Yermeth“ vorgestellt, dass als Ausgangsprodukt den Mate-Tee benutzt. Es wird vermutet, dass Obst die Namensrechte von „Yermeth“ an die Berliner Firma verkauft hat. Der Apotheker Hugo Obst hat 1905 seine „Mohren-Apotheke“ in Bayreuth verkauft und ist 1907 in Sachsen mit seinen Unternehmungen in Konkurs geraten. Im Jahre 1908 tritt der Apotheker Obst in Köstritz mit einem Vertrag auf und gestattet dem Gutsbesitzer Rudolf Zersch, den Namen „Bronte“ für ein Matte-Getränk zu verwenden. Zersch war Mitinhaber der Fürstlichen Brauerei Köstritz (heute: Köstritzer Schwarzbierbrauerei). Die Gutsbesitzer Rudolf und Kurt Zersch stellten einen frei gewordenen Gebäudekomplex für die Produktion der „Bronte“ bereit.  Da die Produktion und der Vertrieb der Bronte sehr erfolgreich verlief, wurde dafür eine eigene Firma gegründet. Der Apotheker Hugo Obst aus Köstritz und der Oberförster Otto Schade aus Tautenhain gründeten am 29. April 1911 im Gasthaus Plöthner in Reichardtsdorf die „Deutsche Matte – Industrie Köstritz G. m. b. H.“. Obst brachte 20 000 Mark als Stammkapital ein, Schade 80 000 Mark. Als Vorstand der Gesellschaft wirkten fortan der Apotheker Obst, Gutsbesitzer Kurt Zersch und Gutsbesitzer Rudolf Zersch aus Köstritz. Als Geschäftsführer bestellte man den Kaufmann Friedrich Schneider, der später von Franz Müller abgelöst wurde. Als Ziel und Aufgabe stellte sich die Gesellschaft: „Industrielle Verwertung der Matte und aus diesen gewonnene chemische Präparate sowie der Vertrieb anderweitiger pharmazeutischer Produkte, sowie die Errichtung von Teilfabrikaten zum Vertrieb der genannten Gegenstände." Nach Rezepten von Hugo Obst sollten u.a. alkoholfreie Getränke aus Paraguay-Tee hergestellt und unter dem Namen „Bronte“, eine rechtlich geschützte Wortwahl von Obst, verkauft werden. Für die Produktionsstätte all dieser Produkte stellte die Familie Zersch Grundstück und Gebäude des ehemals zur Fürstlichen Brauerei gehörenden Gebäudekomplexes des Bierlager- und Eiskellers sowie der Böttcherei und Picherei im oberen Dorf in der Eleonorenstraße zur Verfügung. Die Einrichtungen und Gebäude wurden frei, nachdem man zwischen 1906 und 1908 in roter Backsteinbauweise eine neue Fürstliche Brauerei erbaute, in welcher obige Lager- und Böttcherarbeiten zentral mit untergebracht waren. Als Haupterzeugnis der Firma ist die Herstellung von „Bronte“ in Flaschen und deren Vertrieb sowie der Verkauf von Mate-Tee und entsprechender Essenzen zur Herstellung der „Bronte“ an Filialbetriebe, die man 1911 gründete, zu sehen. Aus dem Anfangsjahr ist eine solche Filiale der „Deutschen Matte-Industrie“ in Leipzig, Gera und Stuttgart bekannt. Die Filialen mussten einen bestimmten von Köstritz zugewiesenen Vertriebsdistrikt einhalten und sich verpflichten das „Doppel-Fluid“ für 8 M/kg und davon mindestens 1 500 kg/Jahr abzunehmen. Köstritz wählte damals die Bezeichnung des alkoholfreien Getränks mit „Sekt-Bronte“ und legte den Verkaufspreis an Privatpersonen für die 25 ctl. Flasche mit 12 Pfennig und die 50 ctl. Flasche mit 16 Pfennig fest. Der Geraer Ernst Grimm gab z.B. aus seiner Filialproduktionsstätte in der Taubestraße 3, die er auf eigene Kosten einrichten und betreiben musste, Sekt-Bronte an seinen Vertriebsdistrikt Gera (5 km Umkreis), Greiz, Berga, Ronneburg, Weida und nähere Umgebung ab 1. Mai 1911 ab. Die Preise für 25 ctl. waren:          8 Pfg. an Wirte                 9 Pfg. an Läden               12 Pfg. an Privatpersonen               15 Pfg. an Lokale Das äußere Erscheinungsbild der etikettierten Flaschen hatte ein gelb / schwarzes Aussehen und wurde von Köstritz aus verbindlich vorgegeben. Nachdem im Dezember 1913 Hugo Obst verstarb trat an seiner Stelle Dr. W. Zersch in den Vorstand. Der Beginn des 1. Weltkrieges und des damit verbundenen Ausbleibens der Matte aus Südamerika brachte die Produktion ins Stocken und führte schließlich 1915 zum Bankrott der Firma. Das Insolvenzverfahren zog sich bis 1922 hin, erst dann konnten die Gläubiger zufriedengestellt werden. Wie erfolgte die Mate-Produktion und deren Vertrieb: Nach Köstritz wurde Mate-Tee in großen Mengen vorwiegend aus Brasilien importiert. Er ist dann sowohl an Ort und Stelle zu Teesud in verschiedenen Glasapparaturen verarbeitet oder als abgepackte Tee-Ware verschiedenen Kunden zugesandt worden. Sie verkauften ihn als grünen bzw. gerösteten Mate-Tee oder er wurde in den Filialen zu Bronte weiterverarbeitet. Das Kochen der brasilianischen Teeblätter ergab einen goldgelben Sud, der auch später die Farbe der Bronte bestimmte. Durch Zusätze von konzentrierten Essenzen zum Tee, die labormäßig nach Rezepten von Obst in Köstritz hergestellt wurden, entstand aus dem abgekühlten Tee-Sud unter Zusatz von Kohlensäure ein sektartig perlendes aber alkoholfreies Getränk, die Sekt-Bronte. Sie wurde an heißen Sommertagen zu einem beliebten und begehrten Erfrischungsgetränk. Weiter mit der Geschichte: Vier Jahre nach dem Konkursabschluss des 1911 gegründeten Unternehmens, erfolgte im März 1926 eine erneute Wiedergründung unter der Firmenbezeichnung „Mate-Industrie G. m. b. H., Köstritz i. Thür.“ Gesellschafter waren die Familienmitglieder Rudolf, Kurt und Dr. jur. Wilhelm Zersch. Zu Geschäftsführern wurden alle drei Gesellschafter, Apotheker Ernst Benzmann, Dr. Gottfried Hobus und Dr. Erhardt Teschner berufen. Die Produktion wurde wieder an gleicher Stelle aufgenommen. Als Zielstellung der Neugründung wird angegeben:                   „Herstellung und Vertrieb alkoholfreier und alkoholarmer Getränke jeder Art und der hierzu erforderlichen Rohstoffe,                   sowie alkoholhaltiger Essenzen, Liköre oder anderer Rohstoffe, insbesondere der Verwendung des Parana- Mate." Die Markenbezeichnung „Sekt-Bronte“ musste aus juristischen Gründen ab Anfang der 30iger Jahre im „Bronte“ abgewandelt werden. Dieser Schriftzug ist damals in die dunkel-grünen Glasflaschen bei deren Herstellung mit eingepresst worden. Nachdem die Stadt Bad Köstritz sich bereits Ende der 20iger Jahre das Image gab, „Bad Köstritz - die Stadt der „3 B“ (sie standen für Bier, Blumen und Bad.), erweiterten es viele Bürger wenige Jahre später um ein 4. „B“, welches seiner gestiegenen Bedeutung und Bekanntheit für „Bronte“ stehen sollte. Als Prokuristen wirkten ab 12. Juni 1933 Dr. Martin Bennewitz und nach dem Tod von Dr. W. Zersch am 30. Januar 1944, Otto Panzer und Johannes Kindermann. Alleiniger Vertreter der G. m. b. H. wird nach dem Tod des letzten Zersch-Gesellschafters Dr. rer. pol. Erhardt Teschner. Am 13. Juli 1935 hatte die Mate-Industrie GmbH anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Gefolgschaft des Brauereipächter Zersch folgende 10 Mitglieder: Technischer Leiter: E. Benzmann Prokurist: Dr. M. Bennewitz Kontoristin: M. Mrosek Stenotypistin: H. Weber Arbeiter/innen: G. u. A. Böttcher, E. Sachse Lehrling: K. Kutschbauch, G. Grünert Handlungsgehilfe: E. Kröber Man firmierte damals: „Mate-Industrie GmbH, Bad Köstritz“    -  Fabrik von Mate-Extrakten und Essenzen, Mate-Importhaus Während des 2. Weltkrieg wurde die Produktion eingestellt und nach 1945 auch nicht wieder begonnen. Es wurden verschiedenfarbige Limonaden produziert. Die DDR gliederte diese Limonadenherstellung an die Köstritzer Brauerei an, auch räumlich. Die Betriebsgebäude der „Bronte“ wurden in den 1950-er Jahren zu Wohnungen umgebaut. In Dietenhofen (Landkreis Ansbach, Mittelfranken, Bayern), in einem ehemaligen Lizenzbetrieb, erfolgte nach dem 2. Weltkrieg die Produktion von „Bronte“ und insbesondere der „Club Mate“  in kleinem Umfang. Irgendwann entschied man sich bei der „Club-Mate“  Koffein zuzusetzen, um die Wirkung zu verstärken (Koffein 20 mg / 100 ml, Zucker 5 g / 100 ml). Der Koffeingehalt pro Flasche entspricht 1-2 Tassen Kaffee. Aus Altersgründen verkaufte der Besitzer aus Dietenhofen 1994 den Betrieb und die Lizenz für „Club-Mate“ an die Familien-Brauerei Loscher (Landkreis Neustadt an der Aisch – Bad Windsheim, Mittelfranken, Bayern). Heute ist die Brauerei Loscher europaweit der einzige Hersteller des Erfrischungsgetränkes auf Basis von Mate-Tee.
Produktionsgebäude der Bronte in der Eleonorenstraße
Die   „Bronte“*   war   ein   alkoholfreies   Erfrischungsgetränk   aus   Paraguay-Tee   (Mate-Tee), dass   nach   einem   Rezept   von   Apotheker   Hugo   Obst   (1859-1913)   in   Köstritz   hergestellt wurde.   *„Bronte“ ist eine Stadt auf Sizilien, die von einer fruchtbaren Weinanbaugegend umgeben ist.
Literatur: Staatsarchiv Greiz, Reußisches Amtsgericht Gera, Nr. 5, Deutsche Matte-Industrie Köstritz, GmbH, Köstritz (1911 – 1922). Staatsarchiv Greiz, Thür. Amtsgericht Gera, Nr. 1632, Mate-Industrie GmbH, Köstritz i. Thür. (1926 – 1948). 60 Jahre Zersch (1875-1835), Werdegang der Fürstlichen Brauerei Köstritz von 1872 – 1907 und Erinnerungen an den damaligen Pächter Ökonomierat Rudolf Zersch, erzählt und gesammelt von Bürgermeister a.D. Karl Münster, Bad Köstritz. Heimatblätter, Nr. 2, Juni 1997, Seite 5, Beilage zum Elstertalboten, herausgegeben vom Heimat- und Ortsverein Bad Köstritz e.V., „Als Köstritz noch die Stadt der vier „B“ war“. Vortrag von Achim Zubke, gehalten auf der Veranstaltung „Mate in Berlin“ am 30.6.17 in der brasilianischen Botschaft in Berlin
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Zur Geschichte der „Bronte“ 

Die   „Bronte“*   war   ein   alkoholfreies   Erfrischungsgetränk   aus   Paraguay-Tee   (Mate-Tee), dass   nach   einem   Rezept   von   Apotheker   Hugo   Obst   (1859-1913)   in   Köstritz   hergestellt wurde.   *„Bronte“ ist eine Stadt auf Sizilien, die von einer fruchtbaren Weinanbaugegend umgeben ist.
Hier nun die wesentlichen historischen Daten dazu: Getränke   aus   Mate-Tee   gab   es   bereits   um   1906.   Eine   Berliner   Firma   produzierte   bis   etwa   1913   unter   dem   Namen   „Yermeth“   ein Erfrischungsgetränk,   dass   als   Vorläufer   der   heutigen   Club-Mate-Brausen   zu   betrachten   ist.   In   einem   lexikalischen   Werk   von   1906 wurde   das   Getränk   „Yermeth“   als   sehr   „belebend“   beschrieben   und   der   Apotheker   Hugo   Obst   aus   Bayreuth   wird   als   Produzent genannt. Bereits    1903    hatte    Obst    in    der    „Pharmaceutischen    Centralhalle“    sein    neues    Getränk    „Yermeth“    vorgestellt,    dass    als Ausgangsprodukt   den   Mate-Tee   benutzt.   Es   wird   vermutet,   dass   Obst   die   Namensrechte   von   „Yermeth“   an   die   Berliner   Firma verkauft hat. Der   Apotheker   Hugo   Obst   hat   1905   seine   „Mohren-Apotheke“   in   Bayreuth   verkauft   und ist   1907   in   Sachsen   mit   seinen   Unternehmungen   in   Konkurs   geraten.   Im   Jahre   1908 tritt    der    Apotheker    Obst    in    Köstritz    mit    einem    Vertrag    auf    und    gestattet    dem Gutsbesitzer   Rudolf   Zersch,   den   Namen   „Bronte“   für   ein   Matte-Getränk   zu   verwenden. Zersch     war     Mitinhaber     der     Fürstlichen     Brauerei     Köstritz     (heute:     Köstritzer Schwarzbierbrauerei).    Die    Gutsbesitzer    Rudolf    und    Kurt    Zersch    stellten    einen    frei gewordenen Gebäudekomplex für die Produktion der „Bronte“ bereit.  Da   die   Produktion   und   der   Vertrieb   der   Bronte   sehr   erfolgreich   verlief,   wurde   dafür   eine eigene   Firma   gegründet.    Der   Apotheker   Hugo   Obst   aus   Köstritz   und   der   Oberförster Otto   Schade   aus   Tautenhain   gründeten   am   29.   April   1911   im   Gasthaus   Plöthner   in Reichardtsdorf   die   „Deutsche   Matte   –   Industrie   Köstritz   G.   m.   b.   H.“.   Obst   brachte   20   000   Mark   als   Stammkapital   ein,   Schade 80.000 Mark. Als   Vorstand   der   Gesellschaft   wirkten   fortan   der   Apotheker   Obst,   Gutsbesitzer   Kurt   Zersch   und   Gutsbesitzer   Rudolf   Zersch   aus Köstritz. Als Geschäftsführer bestellte man den Kaufmann Friedrich Schneider, der später von Franz Müller abgelöst wurde. Als Ziel und Aufgabe stellte sich die Gesellschaft: „Industrielle   Verwertung   der   Matte   und   aus   diesen   gewonnene   chemische   Präparate   sowie   der   Vertrieb   anderweitiger pharmazeutischer Produkte, sowie die Errichtung von Teilfabrikaten zum Vertrieb der genannten Gegenstände." Nach   Rezepten   von   Hugo   Obst   sollten   u.a.   alkoholfreie   Getränke   aus   Paraguay-Tee   hergestellt   und   unter   dem   Namen   „Bronte“, eine rechtlich geschützte Wortwahl von Obst, verkauft werden. Für   die   Produktionsstätte   all   dieser   Produkte   stellte   die   Familie   Zersch   Grundstück   und   Gebäude   des   ehemals   zur   Fürstlichen Brauerei   gehörenden   Gebäudekomplexes   des   Bierlager-   und   Eiskellers   sowie   der   Böttcherei   und   Picherei   im   oberen   Dorf   in   der Eleonorenstraße   zur   Verfügung.   Die   Einrichtungen   und   Gebäude   wurden   frei,   nachdem   man   zwischen   1906   und   1908   in   roter Backsteinbauweise   eine   neue   Fürstliche   Brauerei   erbaute,   in   welcher   obige   Lager-   und   Böttcherarbeiten   zentral   mit   untergebracht waren. Als   Haupterzeugnis   der   Firma   ist   die   Herstellung   von   „Bronte“   in   Flaschen   und   deren   Vertrieb   sowie   der   Verkauf   von   Mate-Tee und entsprechender Essenzen zur Herstellung der „Bronte“ an Filialbetriebe, die man 1911 gründete, zu sehen. Aus dem Anfangsjahr ist eine solche Filiale der „Deutschen Matte-Industrie“ in Leipzig, Gera und Stuttgart bekannt. Die   Filialen   mussten   einen   bestimmten   von   Köstritz   zugewiesenen   Vertriebsdistrikt   einhalten   und   sich   verpflichten   das   „Doppel- Fluid“   für   8   M/kg   und   davon   mindestens   1   500   kg/Jahr   abzunehmen.   Köstritz   wählte   damals   die   Bezeichnung   des   alkoholfreien Getränks   mit   „Sekt-Bronte“   und   legte   den   Verkaufspreis   an   Privatpersonen   für   die   25   ctl.   Flasche   mit   12   Pfennig   und   die   50   ctl. Flasche mit 16 Pfennig fest. Der   Geraer   Ernst   Grimm   gab   z.B.   aus   seiner   Filialproduktionsstätte   in   der   Taubestraße   3,   die   er   auf   eigene   Kosten   einrichten   und betreiben   musste,   Sekt-Bronte   an   seinen   Vertriebsdistrikt   Gera   (5   km   Umkreis),   Greiz,   Berga,   Ronneburg,   Weida   und   nähere Umgebung ab 1. Mai 1911 ab. Die Preise für 25 ctl. waren:   8 Pfg. an Wirte                  9 Pfg. an Läden               12 Pfg. an Privatpersonen               15 Pfg. an Lokale Das   äußere   Erscheinungsbild   der   etikettierten   Flaschen   hatte   ein   gelb   /   schwarzes   Aussehen   und   wurde   von   Köstritz   aus verbindlich vorgegeben. Nachdem   im   Dezember   1913   Hugo   Obst   verstarb   trat   an   seiner   Stelle   Dr.   W.   Zersch   in   den   Vorstand.   Der   Beginn   des   1. Weltkrieges   und   des   damit   verbundenen   Ausbleibens   der   Matte   aus   Südamerika   brachte   die   Produktion   ins   Stocken   und   führte schließlich   1915   zum   Bankrott   der   Firma.   Das   Insolvenzverfahren   zog   sich   bis   1922   hin,   erst   dann   konnten   die   Gläubiger zufriedengestellt werden. Wie erfolgte die Mate-Produktion und deren Vertrieb: Nach   Köstritz   wurde   Mate-Tee   in   großen   Mengen   vorwiegend   aus   Brasilien   importiert.   Er   ist   dann   sowohl   an   Ort   und   Stelle   zu Teesud   in   verschiedenen   Glasapparaturen   verarbeitet   oder   als   abgepackte   Tee-Ware   verschiedenen   Kunden   zugesandt   worden. Sie   verkauften   ihn   als   grünen   bzw.   gerösteten   Mate-Tee   oder   er   wurde   in   den   Filialen   zu   Bronte   weiterverarbeitet.   Das   Kochen   der brasilianischen Teeblätter ergab einen goldgelben Sud, der auch später die Farbe der Bronte bestimmte. Durch   Zusätze   von   konzentrierten   Essenzen   zum   Tee,   die   labormäßig   nach   Rezepten   von   Obst   in   Köstritz   hergestellt   wurden, entstand   aus   dem   abgekühlten   Tee-Sud   unter   Zusatz   von   Kohlensäure   ein   sektartig   perlendes   aber   alkoholfreies   Getränk,   die Sekt-Bronte. Sie wurde an heißen Sommertagen zu einem beliebten und begehrten Erfrischungsgetränk. Weiter mit der Geschichte: Vier    Jahre    nach    dem    Konkursabschluss    des    1911    gegründeten    Unternehmens,    erfolgte    im    März    1926    eine    erneute Wiedergründung unter der Firmenbezeichnung „Mate-Industrie G. m. b. H., Köstritz i. Thür.“ Gesellschafter   waren   die   Familienmitglieder   Rudolf,   Kurt   und   Dr.   jur.   Wilhelm   Zersch.   Zu   Geschäftsführern   wurden   alle   drei Gesellschafter,   Apotheker   Ernst   Benzmann,   Dr.   Gottfried   Hobus   und   Dr.   Erhardt   Teschner   berufen.   Die   Produktion   wurde   wieder an gleicher Stelle aufgenommen. Als Zielstellung der Neugründung wird angegeben:         „ Herstellung und Vertrieb alkoholfreier und alkoholarmer Getränke jeder Art und der hierzu erforderlichen Rohstoffe,          sowie alkoholhaltiger Essenzen, Liköre oder anderer Rohstoffe, insbesondere der Verwendung des Parana- Mate." Die   Markenbezeichnung   „Sekt-Bronte“   musste   aus   juristischen   Gründen   ab   Anfang   der   30iger   Jahre   im   „Bronte“   abgewandelt werden. Dieser Schriftzug ist damals in die dunkel-grünen Glasflaschen bei deren Herstellung mit eingepresst worden. Nachdem   die   Stadt   Bad   Köstritz   sich   bereits   Ende   der   20iger   Jahre   das   Image   gab,   „Bad   Köstritz   -   die   Stadt   der   „3   B“   (sie   standen für   Bier,   Blumen   und   Bad.),   erweiterten   es   viele   Bürger   wenige   Jahre   später   um   ein   4.   „B“,   welches   seiner   gestiegenen   Bedeutung und Bekanntheit für „Bronte“ stehen sollte. Als   Prokuristen   wirkten   ab   12.   Juni   1933   Dr.   Martin   Bennewitz   und   nach   dem   Tod   von   Dr.   W.   Zersch   am   30.   Januar   1944,   Otto Panzer und Johannes Kindermann. Alleiniger Vertreter der G. m. b. H. wird nach dem Tod des letzten Zersch-Gesellschafters Dr. rer. pol. Erhardt Teschner. Am   13.   Juli   1935   hatte   die   Mate-Industrie   GmbH   anlässlich   des   60-jährigen   Jubiläums   der   Gefolgschaft   des   Brauereipächter Zersch folgende 10 Mitglieder: Technischer Leiter: E. Benzmann Prokurist: Dr. M. Bennewitz Kontoristin: M. Mrosek Stenotypistin: H. Weber Arbeiter/innen: G. u. A. Böttcher, E. Sachse Lehrling: K. Kutschbauch, G. Grünert Handlungsgehilfe: E. Kröber Man firmierte damals: „Mate-Industrie GmbH, Bad Köstritz“    -  Fabrik von Mate-Extrakten und Essenzen, Mate-Importhaus Während    des    2.    Weltkrieg    wurde    die    Produktion    eingestellt    und    nach    1945    auch    nicht    wieder    begonnen.    Es    wurden verschiedenfarbige   Limonaden   produziert.   Die   DDR   gliederte   diese   Limonadenherstellung   an   die   Köstritzer   Brauerei   an,   auch räumlich. Die Betriebsgebäude der „Bronte“ wurden in den 1950-er Jahren zu Wohnungen umgebaut. In    Dietenhofen    (Landkreis    Ansbach,    Mittelfranken,    Bayern),    in    einem    ehemaligen    Lizenzbetrieb, erfolgte   nach   dem   2.   Weltkrieg   die   Produktion   von   „Bronte“   und   insbesondere   der   „Club   Mate“      in kleinem   Umfang.   Irgendwann   entschied   man   sich   bei   der   „Club-Mate“      Koffein   zuzusetzen,   um   die Wirkung   zu   verstärken   (Koffein   20   mg   /   100   ml,   Zucker   5   g   /   100   ml ).   Der   Koffeingehalt   pro   Flasche entspricht 1-2 Tassen Kaffee. Aus   Altersgründen   verkaufte   der   Besitzer   aus   Dietenhofen   1994   den   Betrieb   und   die   Lizenz   für   „Club- Mate“    an    die    Familien-Brauerei    Loscher    (Landkreis    Neustadt    an    der    Aisch    –    Bad    Windsheim, Mittelfranken, Bayern). Heute ist die Brauerei Loscher europaweit der einzige Hersteller des Erfrischungsgetränkes auf Basis von Mate-Tee.
Produktionsgebäude der Bronte in der Eleonorenstraße
Literatur: Staatsarchiv Greiz, Reußisches Amtsgericht Gera, Nr. 5, Deutsche Matte-Industrie Köstritz, GmbH, Köstritz (1911 – 1922). Staatsarchiv Greiz, Thür. Amtsgericht Gera, Nr. 1632, Mate-Industrie GmbH, Köstritz i. Thür. (1926 – 1948). 60 Jahre Zersch (1875-1835), Werdegang der Fürstlichen Brauerei Köstritz von 1872 – 1907 und Erinnerungen an den damaligen Pächter Ökonomierat Rudolf Zersch, erzählt und gesammelt von Bürgermeister a.D. Karl Münster, Bad Köstritz. Heimatblätter,   Nr.   2,   Juni   1997,   Seite   5,   Beilage   zum   Elstertalboten,   herausgegeben   vom   Heimat-   und   Ortsverein   Bad   Köstritz   e.V.,   „Als   Köstritz   noch   die   Stadt der vier „B“ war“. Vortrag von Achim Zubke, gehalten auf der Veranstaltung „Mate in Berlin“ am 30.6.17 in der brasilianischen Botschaft in Berlin
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Die   „Bronte“*   war   ein   alkoholfreies   Erfrischungsgetränk aus   Paraguay-Tee   (Mate-Tee),   dass   nach   einem   Rezept von    Apotheker    Hugo    Obst    (1859-1913)    in    Köstritz hergestellt wurde.   *„Bronte“ ist eine Stadt auf Sizilien, die von einer fruchtbaren Weinanbaugegend umgeben ist.
Hier nun die wesentlichen historischen Daten dazu: Getränke   aus   Mate-Tee   gab   es   bereits   um   1906.   Eine   Berliner   Firma   produzierte   bis   etwa   1913   unter   dem Namen   „Yermeth“   ein   Erfrischungsgetränk,   dass   als   Vorläufer   der   heutigen   Club-Mate-Brausen   zu   betrachten ist.   In   einem   lexikalischen   Werk   von   1906   wurde   das   Getränk   „Yermeth“   als   sehr   „belebend“   beschrieben   und der Apotheker Hugo Obst aus Bayreuth wird als Produzent genannt. Bereits   1903   hatte   Obst   in   der   „Pharmaceutischen   Centralhalle“   sein   neues   Getränk   „Yermeth“   vorgestellt, dass    als    Ausgangsprodukt    den    Mate-Tee    benutzt.    Es    wird    vermutet,    dass    Obst    die    Namensrechte    von „Yermeth“ an die Berliner Firma verkauft hat. Der   Apotheker   Hugo   Obst   hat   1905   seine   „Mohren-Apotheke“   in   Bayreuth verkauft   und   ist   1907   in   Sachsen   mit   seinen   Unternehmungen   in   Konkurs geraten.   Im   Jahre   1908   tritt   der   Apotheker   Obst   in   Köstritz   mit   einem   Vertrag auf   und   gestattet   dem   Gutsbesitzer   Rudolf   Zersch,   den   Namen   „Bronte“   für ein   Matte-Getränk   zu   verwenden.   Zersch   war   Mitinhaber   der   Fürstlichen Brauerei   Köstritz   (heute:   Köstritzer   Schwarzbierbrauerei).   Die   Gutsbesitzer Rudolf   und   Kurt   Zersch   stellten   einen   frei   gewordenen   Gebäudekomplex   für die Produktion der „Bronte“ bereit.  Da    die    Produktion    und    der    Vertrieb    der    Bronte    sehr    erfolgreich    verlief,    wurde    dafür    eine    eigene    Firma gegründet.     Der    Apotheker    Hugo    Obst    aus    Köstritz    und    der    Oberförster    Otto    Schade    aus    Tautenhain gründeten   am   29.   April   1911   im   Gasthaus   Plöthner   in   Reichardtsdorf   die   „Deutsche   Matte   –   Industrie   Köstritz G. m. b. H.“. Obst brachte 20 000 Mark als Stammkapital ein, Schade 80.000 Mark. Als   Vorstand   der   Gesellschaft   wirkten   fortan   der   Apotheker   Obst,   Gutsbesitzer   Kurt   Zersch   und   Gutsbesitzer Rudolf   Zersch   aus   Köstritz.   Als   Geschäftsführer   bestellte   man   den   Kaufmann   Friedrich   Schneider,   der   später von Franz Müller abgelöst wurde. Als Ziel und Aufgabe stellte sich die Gesellschaft: „Industrielle    Verwertung    der    Matte    und    aus    diesen    gewonnene    chemische    Präparate    sowie    der Vertrieb    anderweitiger    pharmazeutischer    Produkte,    sowie    die    Errichtung    von    Teilfabrikaten    zum Vertrieb der genannten Gegenstände." Nach   Rezepten   von   Hugo   Obst   sollten   u.a.   alkoholfreie   Getränke   aus   Paraguay-Tee   hergestellt   und   unter dem Namen „Bronte“, eine rechtlich geschützte Wortwahl von Obst, verkauft werden. Für   die   Produktionsstätte   all   dieser   Produkte   stellte   die   Familie   Zersch   Grundstück   und   Gebäude   des   ehemals zur   Fürstlichen   Brauerei   gehörenden   Gebäudekomplexes   des   Bierlager-   und   Eiskellers   sowie   der   Böttcherei und   Picherei   im   oberen   Dorf   in   der   Eleonorenstraße   zur   Verfügung.   Die   Einrichtungen   und   Gebäude   wurden frei,    nachdem    man    zwischen    1906    und    1908    in    roter    Backsteinbauweise    eine    neue    Fürstliche    Brauerei erbaute, in welcher obige Lager- und Böttcherarbeiten zentral mit untergebracht waren. Als   Haupterzeugnis   der   Firma   ist   die   Herstellung   von   „Bronte“   in   Flaschen   und   deren   Vertrieb   sowie   der Verkauf   von   Mate-Tee   und   entsprechender   Essenzen   zur   Herstellung   der   „Bronte“   an   Filialbetriebe,   die   man 1911 gründete, zu sehen. Aus   dem   Anfangsjahr   ist   eine   solche   Filiale   der   „Deutschen   Matte-Industrie“   in   Leipzig,   Gera   und   Stuttgart bekannt. Die    Filialen    mussten    einen    bestimmten    von    Köstritz    zugewiesenen    Vertriebsdistrikt    einhalten    und    sich verpflichten   das   „Doppel-Fluid“   für   8   M/kg   und   davon   mindestens   1   500   kg/Jahr   abzunehmen.   Köstritz   wählte damals    die    Bezeichnung    des    alkoholfreien    Getränks    mit    „Sekt-Bronte“    und    legte    den    Verkaufspreis    an Privatpersonen für die 25 ctl. Flasche mit 12 Pfennig und die 50 ctl. Flasche mit 16 Pfennig fest. Der   Geraer   Ernst   Grimm   gab   z.B.   aus   seiner   Filialproduktionsstätte   in   der   Taubestraße   3,   die   er   auf   eigene Kosten   einrichten   und   betreiben   musste,   Sekt-Bronte   an   seinen   Vertriebsdistrikt   Gera   (5   km   Umkreis),   Greiz, Berga, Ronneburg, Weida und nähere Umgebung ab 1. Mai 1911 ab. Die Preise für 25 ctl. waren:   8 Pfg. an Wirte                  9 Pfg. an Läden                12 Pfg. an Privatpersonen                15 Pfg. an Lokale Das   äußere   Erscheinungsbild   der   etikettierten   Flaschen   hatte   ein   gelb   /   schwarzes   Aussehen   und   wurde   von Köstritz aus verbindlich vorgegeben. Nachdem   im   Dezember   1913   Hugo   Obst   verstarb   trat   an   seiner   Stelle   Dr.   W.   Zersch   in   den   Vorstand.   Der Beginn   des   1.   Weltkrieges   und   des   damit   verbundenen   Ausbleibens   der   Matte   aus   Südamerika   brachte   die Produktion   ins   Stocken   und   führte   schließlich   1915   zum   Bankrott   der   Firma.   Das   Insolvenzverfahren   zog   sich bis 1922 hin, erst dann konnten die Gläubiger zufriedengestellt werden. Wie erfolgte die Mate-Produktion und deren Vertrieb: Nach   Köstritz   wurde   Mate-Tee   in   großen   Mengen   vorwiegend   aus   Brasilien   importiert.   Er   ist   dann   sowohl   an Ort   und   Stelle   zu   Teesud   in   verschiedenen   Glasapparaturen   verarbeitet   oder   als   abgepackte   Tee-Ware verschiedenen   Kunden   zugesandt   worden.   Sie   verkauften   ihn   als   grünen   bzw.   gerösteten   Mate-Tee   oder   er wurde   in   den   Filialen   zu   Bronte   weiterverarbeitet.   Das   Kochen   der   brasilianischen   Teeblätter   ergab   einen goldgelben Sud, der auch später die Farbe der Bronte bestimmte. Durch   Zusätze   von   konzentrierten   Essenzen   zum   Tee,   die   labormäßig   nach   Rezepten   von   Obst   in   Köstritz hergestellt   wurden,   entstand   aus   dem   abgekühlten   Tee-Sud   unter   Zusatz   von   Kohlensäure   ein   sektartig perlendes   aber   alkoholfreies   Getränk,   die   Sekt-Bronte.   Sie   wurde   an   heißen   Sommertagen   zu   einem   beliebten und begehrten Erfrischungsgetränk. Weiter mit der Geschichte: Vier   Jahre   nach   dem   Konkursabschluss   des   1911   gegründeten   Unternehmens,   erfolgte   im   März   1926   eine erneute Wiedergründung unter der Firmenbezeichnung „Mate-Industrie G. m. b. H., Köstritz i. Thür.“ Gesellschafter   waren   die   Familienmitglieder   Rudolf,   Kurt   und   Dr.   jur.   Wilhelm   Zersch.   Zu   Geschäftsführern wurden   alle   drei   Gesellschafter,   Apotheker   Ernst   Benzmann,   Dr.   Gottfried   Hobus   und   Dr.   Erhardt   Teschner berufen. Die Produktion wurde wieder an gleicher Stelle aufgenommen. Als Zielstellung der Neugründung wird angegeben: Herstellung und Vertrieb alkoholfreier und alkoholarmer Getränke jeder Art und der hierzu erforderlichen Rohstoffe, sowie alkoholhaltiger Essenzen, Liköre oder anderer Rohstoffe, insbesondere der Verwendung des Parana- Mate." Die   Markenbezeichnung   „Sekt-Bronte“   musste   aus   juristischen   Gründen   ab   Anfang   der   30iger   Jahre   im „Bronte“   abgewandelt   werden.   Dieser   Schriftzug   ist   damals   in   die   dunkel-grünen   Glasflaschen   bei   deren Herstellung mit eingepresst worden. Nachdem   die   Stadt   Bad   Köstritz   sich   bereits   Ende   der   20iger   Jahre   das   Image   gab,   „Bad   Köstritz   -   die   Stadt der   „3   B“   (sie   standen   für   Bier,   Blumen   und   Bad.),   erweiterten   es   viele   Bürger   wenige   Jahre   später   um   ein   4. „B“, welches seiner gestiegenen Bedeutung und Bekanntheit für „Bronte“ stehen sollte. Als   Prokuristen   wirkten   ab   12.   Juni   1933   Dr.   Martin   Bennewitz   und   nach   dem   Tod   von   Dr.   W.   Zersch   am   30. Januar 1944, Otto Panzer und Johannes Kindermann. Alleiniger   Vertreter   der   G.   m.   b.   H.   wird   nach   dem   Tod   des   letzten   Zersch-Gesellschafters   Dr.   rer.   pol.   Erhardt Teschner. Am   13.   Juli   1935   hatte   die   Mate-Industrie   GmbH   anlässlich   des   60-jährigen   Jubiläums   der   Gefolgschaft   des Brauereipächter Zersch folgende 10 Mitglieder: Technischer Leiter: E. Benzmann Prokurist: Dr. M. Bennewitz Kontoristin: M. Mrosek Stenotypistin: H. Weber Arbeiter/innen: G. u. A. Böttcher, E. Sachse Lehrling: K. Kutschbauch, G. Grünert Handlungsgehilfe: E. Kröber Man firmierte damals: „Mate-Industrie GmbH, Bad Köstritz“ Fabrik von Mate-Extrakten und Essenzen, Mate-Importhaus Während   des   2.   Weltkrieg   wurde   die   Produktion   eingestellt   und   nach   1945   auch   nicht   wieder   begonnen.   Es wurden   verschiedenfarbige   Limonaden   produziert.   Die   DDR   gliederte   diese   Limonadenherstellung   an   die Köstritzer   Brauerei   an,   auch   räumlich.   Die   Betriebsgebäude   der   „Bronte“   wurden   in   den   1950-er   Jahren   zu Wohnungen umgebaut. In   Dietenhofen   (Landkreis   Ansbach,   Mittelfranken,   Bayern),   in   einem   ehemaligen Lizenzbetrieb,    erfolgte    nach    dem    2.    Weltkrieg    die    Produktion    von    „Bronte“    und insbesondere   der   „Club   Mate“      in   kleinem   Umfang.   Irgendwann   entschied   man   sich bei   der   „Club-Mate“      Koffein   zuzusetzen,   um   die   Wirkung   zu   verstärken   (Koffein   20 mg   /   100   ml,   Zucker   5   g   /   100   ml ).   Der   Koffeingehalt   pro   Flasche   entspricht   1-2 Tassen Kaffee. Aus   Altersgründen   verkaufte   der   Besitzer   aus   Dietenhofen   1994   den   Betrieb   und   die Lizenz   für   „Club-Mate“   an   die   Familien-Brauerei   Loscher   (Landkreis   Neustadt   an   der Aisch – Bad Windsheim, Mittelfranken, Bayern). Heute   ist   die   Brauerei   Loscher   europaweit   der   einzige   Hersteller   des   Erfrischungsgetränkes   auf   Basis   von Mate-Tee.
Literatur: Staatsarchiv Greiz, Reußisches Amtsgericht Gera, Nr. 5, Deutsche Matte-Industrie Köstritz, GmbH, Köstritz (1911 – 1922). Staatsarchiv Greiz, Thür. Amtsgericht Gera, Nr. 1632, Mate-Industrie GmbH, Köstritz i. Thür. (1926 – 1948). 60 Jahre Zersch (1875-1835), Werdegang der Fürstlichen Brauerei Köstritz von 1872 – 1907 und Erinnerungen an den damaligen Pächter Ökonomierat Rudolf Zersch, erzählt und gesammelt von Bürgermeister a.D. Karl Münster, Bad Köstritz. Heimatblätter,   Nr.   2,   Juni   1997,   Seite   5,   Beilage   zum   Elstertalboten,   herausgegeben   vom   Heimat-   und   Ortsverein   Bad   Köstritz   e.V., „Als Köstritz noch die Stadt der vier „B“ war“. Vortrag von Achim Zubke, gehalten auf der Veranstaltung „Mate in Berlin“ am 30.6.17 in der brasilianischen Botschaft in Berlin
· · · · · Produktionsgebäude der Bronte in der Eleonorenstraße
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Geschichte der Bronte

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Die   „Bronte“*   war   ein   alkoholfreies   Erfrischungsgetränk   aus Paraguay-Tee    (Mate-Tee),    dass    nach    einem    Rezept    von Apotheker    Hugo    Obst    (1859-1913)    in    Köstritz    hergestellt wurde.   .
*„Bronte“ ist eine Stadt auf Sizilien, die von einer fruchtbaren Weinanbaugegend umgeben ist
Die wesentlichen historischen Daten dazu: Getränke   aus   Mate-Tee   gab   es   bereits   um   1906.   Eine   Berliner Firma   produzierte   bis   etwa   1913   unter   dem   Namen   „Yermeth“ ein   Erfrischungsgetränk,   dass   als   Vorläufer   der   heutigen   Club- Mate-Brausen   zu   betrachten   ist.   In   einem   lexikalischen   Werk von   1906   wurde   das   Getränk   „Yermeth“   als   sehr   „belebend“ beschrieben   und   der   Apotheker   Hugo   Obst   aus   Bayreuth   wird als Produzent genannt. Bereits      1903      hatte      Obst      in      der      „Pharmaceutischen Centralhalle“   sein   neues   Getränk   „Yermeth“   vorgestellt,   dass als   Ausgangsprodukt   den   Mate-Tee   benutzt.   Es   wird   vermutet, dass   Obst   die   Namensrechte   von   „Yermeth“   an   die   Berliner Firma verkauft hat. Der Apotheker Hugo Obst hat 1905 seine „Mohren-Apotheke“ in Bayreuth verkauft und ist 1907 in Sachsen mit seinen Unternehmungen in Konkurs geraten. Im Jahre 1908 tritt der Apotheker Obst in Köstritz mit einem Vertrag auf und gestattet dem Gutsbesitzer Rudolf Zersch, den Namen „Bronte“ für ein Matte-Getränk zu verwenden. Zersch war Mitinhaber der Fürstlichen Brauerei Köstritz (heute: Köstritzer Schwarzbierbrauerei). Die Gutsbesitzer Rudolf und Kurt Zersch stellten einen frei gewordenen Gebäudekomplex für die Produktion der „Bronte“ bereit.  Da   die   Produktion   und   der   Vertrieb   der   Bronte   sehr   erfolgreich verlief,     wurde     dafür     eine     eigene     Firma     gegründet.      Der Apotheker   Hugo   Obst   aus   Köstritz   und   der   Oberförster   Otto Schade    aus    Tautenhain    gründeten    am    29.    April    1911    im Gasthaus   Plöthner   in   Reichardtsdorf   die   „Deutsche   Matte   Industrie   Köstritz   G.   m.   b.   H.“.   Obst   brachte   20   000   Mark   als Stammkapital ein, Schade 80.000 Mark. Als   Vorstand   der   Gesellschaft   wirkten   fortan   der   Apotheker Obst,    Gutsbesitzer    Kurt    Zersch    und    Gutsbesitzer    Rudolf Zersch   aus   Köstritz.   Als   Geschäftsführer   bestellte   man   den Kaufmann   Friedrich   Schneider,   der   später   von   Franz   Müller abgelöst wurde. Als Ziel und Aufgabe stellte sich die Gesellschaft: „Industrielle     Verwertung     der     Matte     und     aus     diesen gewonnene     chemische     Präparate     sowie     der     Vertrieb anderweitiger     pharmazeutischer     Produkte,     sowie     die Errichtung   von   Teilfabrikaten   zum   Vertrieb   der   genannten Gegenstände." Nach    Rezepten    von    Hugo    Obst    sollten    u.a.    alkoholfreie Getränke   aus   Paraguay-Tee   hergestellt   und   unter   dem   Namen „Bronte“,     eine     rechtlich     geschützte     Wortwahl     von     Obst, verkauft werden. Für   die   Produktionsstätte   all   dieser   Produkte   stellte   die   Familie Zersch   Grundstück   und   Gebäude   des   ehemals   zur   Fürstlichen Brauerei   gehörenden   Gebäudekomplexes   des   Bierlager-   und Eiskellers   sowie   der   Böttcherei   und   Picherei   im   oberen   Dorf   in der    Eleonorenstraße    zur    Verfügung.    Die    Einrichtungen    und Gebäude   wurden   frei,   nachdem   man   zwischen   1906   und   1908 in    roter    Backsteinbauweise    eine    neue    Fürstliche    Brauerei erbaute,   in   welcher   obige   Lager-   und   Böttcherarbeiten   zentral mit untergebracht waren. Als   Haupterzeugnis   der   Firma   ist   die   Herstellung   von   „Bronte“ in   Flaschen   und   deren   Vertrieb   sowie   der   Verkauf   von   Mate- Tee     und     entsprechender     Essenzen     zur     Herstellung     der „Bronte“ an Filialbetriebe, die man 1911 gründete, zu sehen. Aus   dem   Anfangsjahr   ist   eine   solche   Filiale   der   „Deutschen Matte-Industrie“ in Leipzig, Gera und Stuttgart bekannt. Die      Filialen      mussten      einen      bestimmten      von      Köstritz zugewiesenen   Vertriebsdistrikt   einhalten   und   sich   verpflichten das   „Doppel-Fluid“   für   8   M/kg   und   davon   mindestens   1   500 kg/Jahr   abzunehmen.   Köstritz   wählte   damals   die   Bezeichnung des   alkoholfreien   Getränks   mit   „Sekt-Bronte“   und   legte   den Verkaufspreis   an   Privatpersonen   für   die   25   ctl.   Flasche   mit   12 Pfennig und die 50 ctl. Flasche mit 16 Pfennig fest. Der       Geraer       Ernst       Grimm       gab       z.B.       aus       seiner Filialproduktionsstätte   in   der   Taubestraße   3,   die   er   auf   eigene Kosten    einrichten    und    betreiben    musste,    Sekt-Bronte    an seinen   Vertriebsdistrikt   Gera   (5   km   Umkreis),   Greiz,   Berga, Ronneburg,   Weida   und   nähere   Umgebung   ab   1.   Mai   1911   ab. Die Preise für 25 ctl. waren: 8 Pfg. an Wirte                  9 Pfg. an Läden                12 Pfg. an Privatpersonen                15 Pfg. an Lokale Das   äußere   Erscheinungsbild   der   etikettierten   Flaschen   hatte ein    gelb    /    schwarzes    Aussehen und       wurde von Köstritz aus verbindlich vorgegeben. Nachdem    im    Dezember    1913    Hugo    Obst    verstarb    trat    an seiner   Stelle   Dr.   W.   Zersch   in   den   Vorstand.   Der   Beginn   des 1.   Weltkrieges   und   des   damit   verbundenen   Ausbleibens   der Matte   aus   Südamerika   brachte   die   Produktion   ins   Stocken   und führte     schließlich     1915     zum     Bankrott     der     Firma.     Das Insolvenzverfahren   zog   sich   bis   1922   hin,   erst   dann   konnten die Gläubiger zufriedengestellt werden. Die Mate-Produktion und deren Vertrieb: Nach   Köstritz   wurde   Mate-Tee   in   großen   Mengen   vorwiegend aus   Brasilien   importiert.   Er   ist   dann   sowohl   an   Ort   und   Stelle zu   Teesud   in   verschiedenen   Glasapparaturen   verarbeitet   oder als   abgepackte   Tee-Ware   verschiedenen   Kunden   zugesandt worden.   Sie   verkauften   ihn   als   grünen   bzw.   gerösteten   Mate- Tee   oder   er   wurde   in   den   Filialen   zu   Bronte   weiterverarbeitet. Das     Kochen     der     brasilianischen     Teeblätter     ergab     einen goldgelben    Sud,    der    auch    später    die    Farbe    der    Bronte bestimmte. Durch    Zusätze    von    konzentrierten    Essenzen    zum    Tee,    die labormäßig   nach   Rezepten   von   Obst   in   Köstritz   hergestellt wurden,   entstand   aus   dem   abgekühlten   Tee-Sud   unter   Zusatz von    Kohlensäure    ein    sektartig    perlendes    aber    alkoholfreies Getränk,   die   Sekt-Bronte.   Sie   wurde   an   heißen   Sommertagen zu einem beliebten und begehrten Erfrischungsgetränk. Weiter mit der Geschichte: Vier      Jahre      nach      dem      Konkursabschluss      des      1911 gegründeten    Unternehmens,    erfolgte    im    März    1926    eine erneute Wiedergründung unter der Firmenbezeichnung „Mate-Industrie G. m. b. H., Köstritz i. Thür.“ Gesellschafter   waren   die   Familienmitglieder   Rudolf,   Kurt   und Dr.   jur.   Wilhelm   Zersch.   Zu   Geschäftsführern   wurden   alle   drei Gesellschafter,    Apotheker    Ernst    Benzmann,    Dr.    Gottfried Hobus    und    Dr.    Erhardt    Teschner    berufen.    Die    Produktion wurde wieder an gleicher Stelle aufgenommen. Als Zielstellung der Neugründung wird angegeben: Herstellung und Vertrieb alkoholfreier und alkoholarmer Getränke jeder Art und der hierzu erforderlichen Rohstoffe, sowie alkoholhaltiger Essenzen, Liköre oder anderer Rohstoffe, insbesondere der Verwendung des Parana- Mate." Die   Markenbezeichnung   „Sekt-Bronte“   musste   aus   juristischen Gründen   ab   Anfang   der   30iger   Jahre   im   „Bronte“   abgewandelt werden.    Dieser    Schriftzug    ist    damals    in    die    dunkel-grünen Glasflaschen bei deren Herstellung mit eingepresst worden. Nachdem   die   Stadt   Bad   Köstritz   sich   bereits   Ende   der   20iger Jahre   das   Image   gab,   „Bad   Köstritz   -   die   Stadt   der   „3   B“   (sie standen    für    Bier,    Blumen    und    Bad.),    erweiterten    es    viele Bürger   wenige   Jahre   später   um   ein   4.   „B“,   welches   seiner gestiegenen   Bedeutung   und   Bekanntheit   für   „Bronte“   stehen sollte. Als   Prokuristen   wirkten   ab   12.   Juni   1933   Dr.   Martin   Bennewitz und   nach   dem   Tod   von   Dr.   W.   Zersch   am   30.   Januar   1944, Otto Panzer und Johannes Kindermann. Alleiniger   Vertreter   der   G.   m.   b.   H.   wird   nach   dem   Tod   des letzten Zersch-Gesellschafters Dr. rer. pol. Erhardt Teschner. Am   13.   Juli   1935   hatte   die   Mate-Industrie   GmbH   anlässlich des       60-jährigen       Jubiläums       der       Gefolgschaft       des Brauereipächter Zersch folgende 10 Mitglieder: Technischer Leiter: E. Benzmann Prokurist: Dr. M. Bennewitz Kontoristin: M. Mrosek Stenotypistin: H. Weber Arbeiter/innen: G.u.A. Böttcher, E. Sachse Lehrling: K. Kutschbauch, G. Grünert Handlungsgehilfe: E. Kröber Man firmierte damals: „Mate-Industrie GmbH, Bad Köstritz“ Fabrik von Mate-Extrakten und Essenzen, Mate- Importhaus Während   des   2.   Weltkrieg   wurde   die   Produktion   eingestellt und    nach    1945    auch    nicht    wieder    begonnen.    Es    wurden verschiedenfarbige   Limonaden   produziert.   Die   DDR   gliederte diese    Limonadenherstellung    an    die    Köstritzer    Brauerei    an, auch   räumlich.   Die   Betriebsgebäude   der   „Bronte“   wurden   in den 1950-er Jahren zu Wohnungen umgebaut. In   Dietenhofen   (Landkreis   Ansbach,   Mittelfranken,   Bayern),   in einem     ehemaligen     Lizenzbetrieb,     erfolgte     nach     dem     2. Weltkrieg      die      Produktion      von „Bronte“     und     insbesondere     der „Club   Mate“      in   kleinem   Umfang. Irgendwann    entschied    man    sich bei     der     „Club-Mate“          Koffein zuzusetzen,    um    die    Wirkung    zu verstärken   (Koffein   20   mg   /   100 ml,    Zucker    5    g    /    100    ml ).    Der Koffeingehalt          pro          Flasche entspricht 1-2 Tassen Kaffee. Aus    Altersgründen    verkaufte    der    Besitzer    aus    Dietenhofen 1994    den    Betrieb    und    die    Lizenz    für    „Club-Mate“    an    die Familien-Brauerei   Loscher   (Landkreis   Neustadt   an   der   Aisch   Bad Windsheim, Mittelfranken, Bayern). Heute     ist     die     Brauerei     Loscher     europaweit     der     einzige Hersteller des Erfrischungsgetränkes auf Basis von Mate-Tee.
Literatur: Staatsarchiv Greiz, Reußisches Amtsgericht Gera, Nr. 5, Deutsche Matte-Industrie Köstritz, GmbH, Köstritz (1911 – 1922). Staatsarchiv Greiz, Thür. Amtsgericht Gera, Nr. 1632, Mate- Industrie GmbH, Köstritz i. Thür. (1926 – 1948). 60 Jahre Zersch (1875-1835), Werdegang der Fürstlichen Brauerei Köstritz von 1872 – 1907 und Erinnerungen an den damaligen Pächter Ökonomierat Rudolf Zersch, erzählt und gesammelt von Bürgermeister a.D. Karl Münster, Bad Köstritz. Heimatblätter,     Nr.     2,     Juni     1997,     Seite     5,     Beilage     zum Elstertalboten,    herausgegeben    vom    Heimat-    und    Ortsverein Bad Köstritz e.V., „Als Köstritz noch die Stadt der vier „B“ war“. Vortrag von Achim Zubke, gehalten auf der Veranstaltung „Mate in Berlin“ am 30.6.17 in der brasilianischen Botschaft in Berlin
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